Den Traum vom eigenen Haus träumen viele Menschen. Foto: djd/Trivselhus
Der Begriff Schlüsselfertig bauen ist kein rechtlich geschützter Begriff!

Wer „schlüsselfertig“ baut, muss nicht unbedingt Kompromisse beim Bauen machen. Foto: djd/Fingerhaus
(dtd). Der Traum vom eigenen Haus hat vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise an Attraktivität gewonnen. Denn eine eigene Immobilie bietet nicht nur Lebensqualität, sondern wird von vielen angesichts der Unsicherheit anderer Geldanlagen als Investition mit solidem Werterhalt betrachtet. Die meisten Bauherren möchten den Weg zum Eigenheim möglichst stressfrei hinter sich bringen und spielen daher mit dem Gedanken, einen Vertrag für ein schlüsselfertiges Haus abzuschließen. Ein Generalüber- oder Unternehmer, ein Fertighausanbieter oder auch ein Bauträger kümmert sich um alles und übergibt ein bezugsfertiges Heim, das in sehr kurzer Zeit steht – soweit die Vorstellung vieler Bauherren. In der Praxis aber ist Vorsicht angezeigt.
Genau hinschauen: Was sich hinter “schlüsselfertigen“ Angeboten verbirgt
Der Begriff „schlüsselfertig“ ist rechtlich nicht geschützt. Das heißt, der Bauherr hat nur einen Anspruch auf das, was im Bauvertrag sowie in der Bau- und Leistungsbeschreibung detailliert festgelegt ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, dem raten unabhängige Verbraucherverbände wie die Verbraucherzentralen oder der Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) zu unabhängiger Beratung. Die Investition in einen Vertrauensanwalt und einen Bauherrenberater lohnt sich, wenn Fallstricke im Vertrag frühzeitig erkannt werden und das Haus ohne Baumängel und vertragsgetreu übergeben wird – in der Praxis sind Mängel und Abweichungen leider keine Ausnahme und von einem Laien oft nur schwer zu erkennen.
Anbieter genau unter die Lupe nehmen
Die Entscheidung für einen Anbieter sollte man nicht zuletzt vom gesunden Menschenverstand abhängig machen. Vorschnelle Entscheidungen etwa bei Sonderangeboten auf Messen können teuer zu stehen kommen – einmal unterschrieben, gibt es bei Bauverträgen kein Rücktrittsrecht. Sinnvoll ist es, umfassende Informationen über verschiedene Anbieter einzuholen und zu vergleichen. Wie lange ist das Unternehmen schon am Markt? Wie groß ist es? Bietet es die Möglichkeit, Musterhäuser zu besichtigen und die Meinung der Besitzer einzuholen?

Fertighäuser lassen sich an individuelle Wünsche anpassen und bieten hohen Wohnkomfort. Foto: djd/Trivselhus
Referenzhäuser geben Orientierung
Beim Besuch verschiedener Musterhäuser und dem Erfahrungsaustausch mit Besitzern kann man sich auch mehr Klarheit über die eigenen Vorstellungen verschaffen. Manch einer traut nur einem massiv gebauten Haus. Andere bevorzugen den Charme des Holzbaus, bei dem Anbieter wie Trisvelhus oder Eksjöhus auf die lange Tradition des schwedischen Holzhausbaus zurückgreifen können. Fertighäuser haben durch ihren hohen Vorfertigungsgrad nach Fertigstellung des Kellers oder einer Bodenplatte nur mehr eine kurze Bauzeit. Hersteller wie Fingerhaus, BienZenker, oder die Nobelmarke Davinci Haus bieten heute modulare Konzepte, die einen hohen Grad an Individualität erlauben. Allerdings gilt auch hier in der Regel: je mehr Sonderwünsche, desto höher der Preis.
Energieeffizienz nicht vernachlässigen
Lohnend ist es auch, die Energiebilanz verschiedener Haustypen zu vergleichen. Das spart langfristig Heizkosten, kann aber auch Geld vom Staat bringen. Häuser, die den Standard eines Effizienzhauses KfW 70 oder Passivhauses erreichen, werden etwa über das KfW-Programm 153 besonders gefördert. Hilfe bei der Finanzierung über einen zinsgünstigen Kredit bietet auch das KfW-Wohneigentumsprogramm (Programm 124)
Schlüsselfertig bauen – die typischen Anbieter

Bei der Auswahl eines Hausanbieters ist es sinnvoll, Erfahrung, Größe und Referenzen zu berücksichtigen. Bei der Auswahl eines Hausanbieters ist es sinnvoll, Erfahrung, Größe und Referenzen zu berücksichtigen. Foto: djd/Fingerhaus
(dtd). Ein Generalunternehmer bietet alle Leistungen zum Bau eines Hauses aus einer Hand an. In der Praxis errichtet er aber häufig nur den Rohbau und vergibt weitere Gewerke wie Tiefbau, Putz, Fußboden, Dach, Bad und Installation an Nachunternehmer.
Ein Generalübernehmer baut nicht selbst, sondern koordiniert alle Gewerke für den Hausbau. Er vergibt alle Arbeiten an Nachunternehmer.
Wer über einen Bauträger baut, besitzt zunächst kein eigenes Grundstück, sondern wird erst nach Fertigstellung Eigentümer von Haus und Grundstück. Vorsicht ist hier angebracht, da der künftige Hausbesitzer meist schon früher Zahlungen zu leisten hat, auf den Bau aber keinen Einfluss nehmen kann, wenn dies nicht ausdrücklich im Vertrag festgelegt ist.
Service-Links für Bauherren
www.bsb-ev.de: Das Internetportal der Verbraucherschutzorganisation Bauherren-Schutzbund e.V. wurde von führenden Fachzeitschriften unter die „Top Ten“ der Webseiten mit baurechtlichen Verbraucherinformationen gewählt. Es liefert umfassende Infos rund um Baurecht und Bautechnik und Kontakte zu Vertrauensanwälten und Bauherrenberatern.
www.massiv-mein-haus.de: Die Website der Interessensgemeinschaft Massiv Mein Haus liefert umfassende Infos rund um Massivbau und Checklisten zur Auswahl des richtigen Bauunternehmens.
www.fertighauswelt.de: Die Website des Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V. verschafft einen guten Überblick über die aktuellen Fertighaustrends, über die wichtigsten Anbieter und Musterhausausstellungen in ganz Deutschland.
www.baufoerderer.de: Die Website wird vom Bundesverband Verbraucherzentralen betrieben. Hier finden Bauherren einen Förderrechner für Förderprogramme des Bundes und der Länder sowie Hinweise, wie sich Fallstricke auf dem Weg zum Eigenheim umgehen lassen.
www.baubegriffe.com: Alle, die es genauer wissen wollen, finden hier Erklärungen für Baubegriffe, übersichtlich geordnet von A bis Z.
www.kfw.de: Auf der Website der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sind unter anderem die Fördermöglichkeiten für Neubau und genaue Konditionen bis hin zu Antragsformularen zu finden.